Wie ich zu den Kapuzinern gekommen bin?

Ich bin in einem katholischen Umfeld aufgewachsen, auf einem Bauernhof, neben Pfarrhaus und Kirche. Ich war Ministrant und mit Freude dabei. Dazu kam, dass ich familiär „vorbelastet“ bin. Ein Onkel ist Kapuziner. Im Franziskusjubiläumsjahr 1982 habe ich den Heiligen von Assisi kennengelernt bei den Franziskanerinnen von Au a. Inn. Eine meiner Tante lebt dort im Kloster.
Als Jugendlicher war ich in der katholischen Landjugend engagiert und konnte so mein Glaubensverständnis erweitern. Im Kapuzinerkloster Laufen feierte ich gern die monatliche Jugendvesper mit. So lernte ich Brüder kennen, besuchte ein Kennenlernwochenende… Der Konvent der Kapuziner in Laufen, damals das Noviziat, war nur 15 km von meinem Elternhaus entfernt. Ich habe Brüder kennengelernt, die mich beeindruckt haben. Zuvor hatte ich den Beruf des Bäckers und Konditors gelernt. Das Abitur holte ich nach und trat 1987 in den Kapuzinerorden ein.

Was mich am Kapuzinerleben fasziniert?

Mich fasziniert das einfache, brüderliche Leben, das zugleich fordert und bereichert; weiter bewegt mich die Nähe zu den Menschen mit ihren Nöten; der Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung; die Vielfalt der Aufgaben; die Freude an der Frohen Botschaft und ihre Übersetzung in unsere Zeit. Ich sehe darin Kernthemen des Glaubens, die aktuell sind. Ich freue mich, dass Franziskaner, Minoriten und wir zunehmend an einem Strang ziehen.

Was ich im Orden tue?

Meine Aufgaben waren und sind vielfältig: Kaplan, Begleiter für Studenten, Wallfahrtsseelsorger, Hausleiter, Pfarrer, Provinzial. Aktuell leite ich die Gemeinschaft in St. Konrad, arbeite in der Wallfahrtsseelsorge mit, bin Ansprechperson für Fragen der Prävention in unserer Provinz. Mit einem Schwerpunkt bin ich Präses des SLW (Seraphisches Liebeswerk = Kinder- und Jugendhilfswerk der Kapuziner) mit acht großen Einrichtungen. Darin sehe ich eine lohnende Aufgabe. Ich kann Menschen motivieren, den schwächsten in der Gesellschaft einen besseren Start ins Leben zu ermöglichen.

Franz von Assisi?

Der erste Besuch in Assisi 1984 hat nachhaltig auf mich gewirkt. Seither war häufig in Umbrien. Die Person des Poverello fasziniert mich immer wieder neu. Er ist für mich ein Impulsgeber, der uns anspornt, Grenzen zu überwinden und die zärtliche Liebe Gottes zu leben. Egal welche Religion, Herkunft oder Hautfarbe, wir sind Geschwister. Gott ist der Ursprung aller Menschen. Das ist wohl eine Vision, die Fremdenfeindlichkeit und Populismus entgegensteht.

Br. Marinus Parzinger

Kapuzinerkloster St. Konrad
Bruder-Konrad-Platz 5
84503 Altötting
Tel.: 08671 / 983-0