Wie ich zu den Kapuzinern gekommen bin?​

Grundsätzlich kann ich sagen, da ich mich schon als Kind in Kirche und mit Religion wohl gefühlt habe. Besonders das Lebensideal des Hl. Franz von Assisi faszinierte mich. Seine ursprüngliche, einfache, weltoffene Frömmigkeit: Gott im Gebet zu suchen, in der Natur, ihn in allem was geschieht zu sehen, und die Mitmenschen zu gläubiger Haltung zu bewegen. Ob ich dies tun sollte als Lehrer mit dem Fach Religion oder als Ordensmann, stand für mich zeitweise zur Frage. Ein Seminar im Studium für Lehramt gab mir eine klare Antwort: Religionsunterricht als nüchterne Vermittlung von theologischem Fachwissen – nein, das wollte ich nicht. Es musste mehr für mich sein. Dinge fädelten sich ein, dass ich nur staunen konnte und der Weg aus dem nahen Studentenwohnheim führte bereits im ersten Semester in das Kapuzinerkloster. In einem Begegnungswochenende fielen die Würfel.

Was mich am Kapuzinerleben fasziniert?

„Der Herr hat mir Brüder gegeben“ bekennt Franziskus in seinem Testament. Er sucht sich die Menschen nicht aus, mit denen er zusammen ein geistliches Leben führen möchte, sondern akzeptiert als geistgegeben die einzelnen mit ihren unterschiedlichen Charismen. Natürlich gibt es Vorgaben: wie der Wille, ein religiöses Leben führen zu wollen… der Wunsch, die evangelischen Räten zu beobachte.

Was ich im Orden tue?

Franziskus kommt es auf die Lebensform nach dem Evangelium an. Er gründet seine Gemeinschaft nicht für eine bestimmte Aufgabe. Er schafft einen Lebensraum, der steht für: Kontemplation und Aktion, tiefe Innerlichkeit, Spüren mit dem Mitmenschen, mit der Natur, wach sein für die „Zeichen der Zeit“, einfacher Lebensstil, prophetisch leben… Das schenkt „Luft zum Atmen“, „Selbstverwirklichung im positiven Sinn“ in einer Zeit, die den einzelnen eher nach dem Maß von Effektivität und Leistung misst. Im Laufe meines Ordenslebens habe ich diesen kreativen, nicht verzweckten Raum immer mehr schätzen gelernt. Ich werde/ präge aus, was Gott in mich hineingelegt hat, für mich selbst und für andere.

Franz von Assisi?

Franziskus, so las ich neulich, erscheint uns „als der der Welt Zugewandte und er ist es – aber die Quelle seiner Zugewandtheit ist die Stille“. Kontemplation ist ihm so wichtig, dass er eine eigene Regel für Einsiedeleien schreibt. Die ersten Kapuziner greifen im 16. Jahrhundert auf ihren Ordensgründer zurück, wenn sie ihren Reformzweig „Minderbrüder vom eremitischen Leben“ nennen. Ich bin dankbar dafür, dass wir uns als Orden in den letzten Jahrzehnten aufgemacht haben, zu einer Neubesinnung auf unsere Ursprünge. So durfte ich sowohl als Missionar – und damit eher aktiv – über 14 Jahre in einer indianischen Region in Mexiko leben und arbeiten, als auch, nun als Eremit – und damit eher kontemplativ – in einem abgelegenen Ort im Sauerland leben. Eigene Neigung, Inspiration durch die indianische Religiosität und Lebensweise gaben den Ausschlag dazu. Den wunderbaren kontemplativen Einstieg in Religion gebe ich auch weiter in Meditationsgruppen an verschiedenen Orten. Zwei Gastzimmer in meiner Einsiedelei bieten die Möglichkeit zum Mitleben für Meditationserfahrene. Ich bin dankbar dafür, in Natur, Stille und Einsamkeit ein „privilegiertes spannendes Leben“ (Ausdruck meines Novizenmeisters) in den Fußspuren des Hl. Franziskus führen zu dürfen. Es schenkt Raum zu inneren Wachstum mir persönlich und der Welt und Kirche in ihrem gegenwärtigen Wandlungsprozess – auch wenn sie es im Moment vielleicht noch nicht wahrnimmt.

Br. Joachim Wrede

Einsiedelei St. Franziskus
St.-Georg-Weg 1
Schliprüthen
57413 Finnentrop
Tel.: 02724 295