Die Schwestern und Brüder des hl. Franziskus

Franziskus ging seinen Weg nicht allein.

Sein Ideal, dem Evangelium so getreu wie möglich zu folgen, begeisterte schon zu seinen Lebzeiten tausende von Menschen – Frauen und Männer, ja ganze Familien, Arme, Reiche, Fürsten und Könige …

Begünstigt wurde dieser Zulauf dadurch, daß es im 12./ 13. Jahrhundert in ganz Europa kirchlich und gesellschaftlich brodelte. Die Menschen entdeckten das Evangelium neu und damit Jesus als ihren Bruder, Freund und Meister. Jesus und sein Evangelium wurden für viele wieder zur Richtschnur des eigenen Lebens.

Im Jahr 1221, fünf Jahre vor seinem Tod, versammeln sich allein 5000 Brüder zu einem später so genannten Mattenkapitel in Assisi.

Die Männer, welche sich um Franziskus scharen, nennen sich Brüder. Sie bilden den so genannten Ersten Orden des hl. Franziskus.

Auch viele Frauen wollten sich nicht mehr dem Diktat der Männerwelt beugen, sondern das Evangelium, ähnlich wie Franziskus, leben.
Chiara Offreduccio, Tochter aus adeligem Haus, war die erste Frau, welche wie Franziskus den Fußspuren Jesu folgen wollte und aus dem Elternhaus und den Plänen des Vaters mit ihr ausbrach und sich Franziskus anschloß.
Um Chiara herum entstand eine neue Bewegung: der Zweite Orden oder auch Klarissen genannt.

Nicht alle konnten und wollten so radikal wie Franz oder Klara leben. Doch von ihren Idealen inspiriert, versuchten sie, diese in ihren Familien, ihrem Leben und Alltag umzusetzen.
Aus ihnen erwuchs der bis heute sehr lebendige Dritte Orden. Aus ihm gehen wiederum der sogenannte Regulierte dritte Orden (Frauen– und Männergemeinschaften) und die Franziskanische Gemeinschaft hervor.

Die franziskanische Familie hat sich in drei Richtungen entwickelt und weiter verästelt in verschiedenste Gemeinschaften – nicht nur katholische! Der Übersicht halber wird sie deshalb oft als Baum, die Wurzeln fest im Leib Christi – der Gemeinschaft der Glaubenden/ Kirche – verankert, dargestellt.

Der Erste Orden des hl. Franziskus

teilt sich heute in drei Männergemeinschaften:

Minoriten

Franziskaner

Kapuziner

Der Zweite Orden

Die Schwestern der hl. Klara

Als Zweiter Orden sind die Schwestern der hl. Klara zwar stark mit den Brüdern und Franziskus verbunden, ihre Gründerin, die hl. Klara von Assisi (1194 – 1253), ist aber keineswegs bloß eine Jüngerin des hl. Franziskus.
Sie fand ihren eigenen Weg. Schon als Jugendliche am Gebet und der Fürsorge für die Armen aus, obwohl sie als adlige, junge Frau die meiste Zeit zum Schutz im Haus verbringen mußte.

Der Aufruhr in der Stadt über den anscheinend verrückt gewordenen  Kaufmannssohn Francesco erfaßte auch sie. Mit 18 Jahren, im Jahr 1212, flüchtet sie bei Nacht und Nebel aus dem Elternhaus, läßt sich von Franziskus und seinen Brüdern in die Gemeinschaft aufnehmen und findet nach mehreren Versuchen der Familie, sie gewaltsam zurückzuholen, ihren Ort in San Damiano. Dort lebt sie dann mit ihren Schwestern bis zu ihrem Tod – als  selbstbestimmte Frau in einer absoluten Männerwelt!

Leibliche Schwestern, sogar ihre Mutter und viele andere Frauen brechen aus dem gewohnten aus und folgen ihr. Bald leben 50 Frauen als Schwestern, zwar auf kleinstem Raum und in größter Armut, aber selbstbestimmt, dem Evangelium folgend, in San Damiano.

Grundbesitz anzunehmen, um daraus versorgt zu werden, lehnt Klara kategorisch ab. Es widerspräche der Armut, welche das Evangelium rät und welche auch Franziskus und seine Brüder leben.

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