Franziskus: Leben

Es verlief niemals glatt – das Leben des heiligen Franziskus von Assisi.
Er war froh, dass er nun endlich seine Berufung gefunden hatte: er wollte das Evangelium, die Frohe Botschaft Jesu, von der Liebe Gottes zu uns Menschen, leben. Er war zufrieden.

Doch dann kamen Männer, die genauso leben wollten wie er. Sie merkten, dass er doch nicht so verrückt war, wie die Bürger von Assisi behaupteten. Zuerst kamen seine alten Freunde, darunter ein angesehener Jurist, Pietro Cattani, ein Priester namens Silvester, Kanoniker am Dom San Rufino in Assisi, und es kamen ungebildete, Bauern, Handwerker und andere. Alle nahm Franziskus ohne Unterschied in seine Gemeinschaft auf. “Und nachdem mir der Herr Brüder gegeben hatte, zeigte mir niemand, was ich tun sollte.” Es kamen immer mehr und die Brüder stellten Fragen: “Wie sollen wir das Evangelium verstehen? Wie sollen wir mit den Armen und Aussätzigen leben? Wie sollen wir beten?” Franz war ratlos. Er hatte die Lebensform für sich gefunden, dachte aber nicht, dass andere auch so leben wollten. Also schrieb er einige Sätze aus dem Evangelium auf, die für ihn besonders wichtig waren und ging mit seinen ersten elf Brüdern nach Rom. Er wollte eine Bestätigung seiner Lebensweise. In Rom regierte der mächtigste Papst des Mittelalters, Innozenz III. Krasse Gegensätze: Hier der arme kleine Mann aus Assisi, der in Lumpen gekleidet war und dort einer der mächtigsten Männer der damaligen Welt auf einem Thron, reich, weit weg.

Warum ging Franziskus überhaupt zum Papst? Er wollte in der Kirche leben. Auch wenn ihre Leitung augenscheinlich das Wichtigste vergessen hatte – das Evangelium. Die Kirche war so anders als Franziskus: reich, mächtig, den Blick auf die Armen verloren. Er machte eine leise Revolution. Statt alles zu kritisieren, leben er und seine Brüder das Evangelium neu – mitten in dieser Kirche.

Das Unglaubliche passiert. Der Papst erkennt die Lebensweise der Brüder an. Franziskus und seine Brüder sind zufrieden und kehren nach Assisi zurück. Alles in Ordnung!?

Doch dann wollen Frauen in seine Gemeinschaft eintreten. Unerhört – in den Augen der Gesellschaft! Franziskus weiß wieder nicht, was er tun soll. In einer nächtlichen Aktion nimmt er Chiara Offreduccio, eine Adelige und Jugendfreundin aus Assisi, in die Brüdergemeinschaft auf. In derselben Nacht versteckt er sie in einem Benediktinerinnenkloster, denn bei den Männern kann sie nicht bleiben. Es ist so und so ein Skandal. Wieder tobt die Stadt Assisi. Klaras Verwandte wollen sie mit Gewalt zurückholen. Doch Klara bleibt. Bald kommen andere Frauen, die wie Klara leben wollen. Sogar ihre Schwester Agnes und ihre Mutter. Sie ziehen in eine der von Franziskus wieder aufgebauten Kapellen, San Damiano , und machen sich unabhängig von den Männern. Die erste Emanzipationsbewegung? Indem die Schwestern darauf bestehen in völliger Armut zu leben und sich nach außen hin abschließen, haben die Männer kein Sagen mehr über ihr Leben. Sie setzen voll auf Christus.

Später wollen auch Verheiratete und Familien mit Kindern so leben wie Franziskus. Auch für sie überlegt er sich eine Lebensform nach dem Evangelium. Es entsteht der Dritte Orden. So versammeln sich ganz unterschiedliche Menschen um Franziskus und allen versucht er gerecht zu werden und ihnen eine Regel nach dem Evangelium zu geben.

Doch nicht alle sind damit zufrieden. Seine eigenen Brüder geraten in Streit. Die Gemeinschaft hat nun schon mehrere tausend Männer, die aus ganz Europa kommen. Einige behaupten, dass man die Regel nicht so streng leben könne, wie Franziskus sie verfasst hatte und lebte. Sie wollen im Gegensatz zu Franziskus auch Geld von den Leuten annehmen und in Häusern leben. Andere verteidigen seine Regel. Franziskus ist niedergeschlagen. Die Regel kann nicht zu schwer sein, wenn sie das Evangelium ist. Über den Streit gibt Franziskus die Leitung des Ordens an Pietro Cattani ab.

War er gescheitert? Hatte er verloren? Alles aus?

Auch in dieser Situation vertraut er auf Gott und zieht sich schließlich in die Berge zurück. Dort schreibt er eine genauere Regel. Diese wird wiederum vom Papst anerkannt. Aber die Leitung des Ordens übernimmt er nie wieder. In dieser Zeit zieht er sich unter anderem auf den Berg La Verna zurück.

Schließlich wird Franziskus krank, schwer krank. Er hat ein Augenleiden und erblindet fast. Die Ärzte raten ihm, seine Schläfen mit glühenden Eisen brennen zu lassen um die Entzündung zu stoppen. Franziskus hat Angst. Er hat Angst vor den Schmerzen, er hat Angst, dass er blind wird und es ihm immer schlechter gehen würde. Da schreibt er den Sonnengesang. Ein Mutmachlied!? Er preist darin Gott durch alle geschaffenen Dinge, auch durch das Feuer. Und durch den Tod.

Die Operation schlägt fehl. Franziskus wird immer kränker. Er weiß, dass er bald sterben wird. Seine Brüder bringen ihn nach San Damiano, damit er sich von den Schwestern verabschieden kann. Danach bringen ihn seine Brüder nach Portiunkula, einer weiteren von Franziskus renovierten Kapelle. Eine Freundin aus Rom, Jacoba de Settesoli, kommt extra vorbei und isst mit Franziskus seine Lieblingsplätzchen, die sie extra für ihn gebacken hatte. Als er merkt, dass er dem Tod nahe ist, verlangt er von den Brüdern, ihn nackt, wie Gott ihn erschaffen hatte, auf den Boden zu legen. Dazu erbat er sich den Sonnengesang. Am 03. Oktober 1226 stirbt Franziskus. Nun sehen die Brüder auch die Stigmata, Wundmale Christi, am Leib des Heiligen.

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