Franziskus: Berufung

Franziskus wird als Sohn eines Kaufmannes und Stoffhändlers in der italienischen Stadt Assisi geboren. Er wird auf den Namen Giovanni Bernadone getauf, vom Vater aber, wegen dessen Faible für Frankreich, dann Francesco, kleines Französlein, genannt. Sein Vater ist reich, sehr reich, seine Mutter sorgt sich um ihn, einen verwöhnten Schönling.

Statt im Geschäft mitzuarbeiten geht Franziskus lieber auf Partys und Feste. Er gibt das Geld mit vollen Händen aus und prasst. Er kauft sich alles, was man sich nur kaufen kann: Kleidung, Alkohol, Freunde und Frauen. Kein Wunder, daß er zum Mittelpunkt von Assisis Jugend wird.

Sein Vater wollte, daß er das Geschäft übernimmt, mehr Geld macht und sich einen Adelstitel im Krieg der Stadt Assisi gegen die Nachbarstadt Perugia ergattert. Aufstiegsträume. Doch es kam anders. Assisi nahm den Mund zu voll und verlor den Krieg. Franziskus wurde gefangen genommen und sein Vater konnte ihn erst ein Jahr später aus dem Gefängnis freikaufen. Für viel Geld. Danach versuchte es Franziskus noch einmal mit dem freiwilligen Kriegsdienst. Ausgestattet mit einer teuren Rüstung und mit einem Pferd machte er sich auf, um am Kreuzzug teilzunehmen. Aber schon einen Tag später – nach einer recht interessanten Begegnung mit einem Bettler und mit dem Herrn – bricht er das Vorhaben ab, verschenkt seine Rüstung und sein Pferd und geht wieder nach Hause, unter dem Gelächter der Stadtbewohner, die den vermeintlichen Feigling empfangen.

Für ihn ist ab jetzt alles anders! Sein Leben ist hohl geworden. Soll das alles gewesen sein? Trinken? Feste? Frauen? Es muß doch mehr im Leben geben! Er macht sich auf die Suche und hat drei folgenschwere Begegnungen:

Außerhalb der Stadt entdeckt er in der heruntergekommenen Kapelle von San Damiano ein Kreuz. Das ist nicht der mächtige Herr, wie er in den großen, reichen Kirchen als ferner Weltenherrscher angebetet wird! Jesus ist als Mensch ans Kreuz genagelt. Nackt, mit ausgestreckten Armen, ausgeliefert.

Dann trifft er auf einen Aussätzigen. Er ist aus der Gesellschaft ausgestoßen. Nicht am Rand der Gesellschaft, sondern hinausgeworfen. Franziskus kann nicht anders und umarmt ihn. Höchste Ansteckungsgefahr! Eiter! Gestank! Lebendig verfault! Was Franziskus, wie die ganze damalige Gesellschaft, anekelte, das macht ihm plötzlich nichts mehr aus. Er sieht den an der Krankheit leidenden Menschen und gewinnt ihn lieb.

Schließlich hört er noch die unverschämte Aufforderung des Evangeliums: Verkaufe alles, was Du hast, gib es den Armen, dann komm und folge mir nach.

Er nimmt ernst, was er da hört und fängt an, die Sachen aus dem Lager seines Vaters zu Geld zu machen, diesmal nicht um es zu verprassen, sondern um es den Armen zu geben oder damit verfallene Kapellen aufzubauen.

Klar! Sein Vater ist davon nicht gerade begeistert!
Er zerrt ihn vor den Bischof und will den “verrückt” gewordenen Sohn wieder zur Vernunft bringen. Aber Franziskus wirft dem Vater während des Prozesses alles vor die Füße, gibt alles, sogar seine Kleider ab und verzichtet schließlich sogar auf seinen Familiennamen. Für ihn gibt es ab jetzt nur noch den Vater im Himmel. Er geht nicht mehr nach Hause zurück.

Die Stadt ist in heller Aufregung!
Franziskus verläßt Assisi und die Gesellschaft des Reichtums und des Immer-mehr-haben-wollens. Denn er hat für sich das wahre MEHR im Leben gefunden. Gott. Für ihn wird das Evangelium, die Frohe Botschaft Jesu von der Liebe Gottes zu uns Menschen, zur Lebensform/ Regel.

Wie es weitergehen sollte, wußte er nicht wirklich, aber er wußte sich so sehr von Gott getragen, daß er sich darum auch nicht wirklich Sorgen machte.

Gebet vor dem Kreuzbild von San Damiano

Höchster, glorreicher Gott,
erleuchte die Finsternis meines Herzens
und schenke mir rechten Glauben,
gefestigte Hoffnung und vollendete Liebe.
Gib mir Herr, das rechte Empfinden und Erkennen,
damit ich Deinen heiligen und wahrhaften Auftrag erfülle.

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