Interview vor der Priesterweihe

27. August 2020

Am 6. September wird Bruder Jens Kusenberg in Münster zum Priester geweiht. In den Tagen davor haben wir ihm ein paar Fragen gestellt:

 

Bruder Jens, du stehst kurz vor deiner Priesterweihe. Kannst du beschreiben, was bei einer Weihe passiert?

Die Weihe ist ja ein Sakrament. Die Kirche glaubt, dass in einem Sakrament Gott wirklich gegenwärtig ist und sein Heil schenkt. Bei der Priesterweihe werde ich öffentlich dazu beauftragt, die Sakramente eben als Priester zu feiern. Ich verspreche in dieser Lebensform zu leben, mit allem was dazugehört: Beten, den Armen helfen, in und mit der Kirche zu leben.

 

Was sind eigentlich die Voraussetzungen, um zum Priester geweiht zu werden?

Naja, ich muss zuerst katholisch und unverheiratet sein. Ich muss nach jetzigem Verständnis der Kirche ein Mann sein. Ich muss ein abgeschlossenes Theologiestudium und die Diakonenweihe vorweisen. Mein Oberer muss den Bischof um die Weihe gebeten habe. Und das Volk Gottes, die Laien und die Mitbrüder, müssen wollen, dass ich Priester werde.

 

Warum fühlst du dich zum Priester berufen und nicht zu Deinem alten Beruf als Lehrer? Oder widerspricht sich das nicht? 

Das widerspricht sich erst einmal nicht. Für mich ist das Priestersein zuallererst eine Lebensform, nicht ein Beruf wie Lehrer. Aber mit beiden Dingen bin ich zufrieden und könnte mir auch gut vorstellen wieder in die Schule zu gehen. Würde dann aber nicht so gern Religion, sondern meine anderen beiden Fächer Deutsch und Biologie unterrichten. Einfach um nicht dauernd dem Klischee zu entsprechen.

 

Warum hast du folgenden Primizspruch (also einen Satz, der über Deiner Weihe stehen soll) aus dem Markusevangelium gewählt: „Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein.“? 

Mir als Kapuziner ist es wichtig, dem Weg des heiligen Franziskus nachzugehen. Und für ihn und für mich ist die Aufgabe des Christen sein Leben realistisch anzuschauen: Ich kann ohne die anderen nichts tun. Als Priester ganz besonders. Der Priester ist nicht, nur, weil er geweiht ist, irgendwie oben angekommen. Was ist ein Priester denn ohne die Menschen? Für die möchte ich da sein. Einer Gruppe Priesteramtskandidaten habe ich mal gesagt, dass ich als Kapuziner nach unten gehe. Wie Jesus. Und als Priester sowieso. Nicht weil ich Sadomasochist bin. Sondern weil darin etwas ganz Menschliches und Göttliches liegt. Deshalb habe ich mir diesen Spruch gewählt.

 

Du wirst im Münsteraner Dom von Bischof Felix Genn geweiht. Ist das bei den Kapuzinern so üblich? 

Nein, das ist normalerweise nicht so. Sonst feiern wir unsere Feste eigentlich in einem unserer Klöster und laden den Bischof dorthin ein. Jetzt zur Coronazeit ist unsere Kirche in Münster aber zu klein, da haben wir den Bischof gefragt, ob wir dieses Mal zu ihm kommen dürfen.

 

Wie kann man an Deiner Weihe teilnehmen? 

Ich habe natürlich ein paar Gäste eingeladen. In den Dom kommt man nur, wenn man auf der Gästeliste steht. Aber es wird eine Liveübertragung über die Kanäle des Bistums geben. Die kann man sich anschauen und mitbeten.

 

Bist Du jetzt so kurz davor aufgeregt? 

Nein, jetzt im Moment nicht. Das wird sich wohl in der Sakristei ändern.

 

Worauf freust du dich, wenn du auf deinen Dienst als Priester schaust? 

Ich freue mich darauf mit den Menschen Gott zu suchen. Nur weil ich im Orden bin und zum Priester geweiht werde, habe ich Gott ja nicht. Wenn man ihn zusammen sucht, ist es einfacher für den Einzelnen und die Einzelne. Ich freue mich darauf mit den Menschen Versöhnung, Eucharistie, Taufe, Hochzeit und Krankensalbung zu feiern. Ich bin so glücklich, dass ich das alles mit verschiedenen Menschen tun darf.

 

Die Fragen stellte Bruder Julian Kendziora.